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11.03.2020 | Interview Peter Graf

Peter Graf, ein Virtuose verhilft den Zimmern im Campo Rasa zu neuem Glanz

Ich habe Peter während eines Kennenlernrundgangs im Campo Rasa nur kurz getroffen aber sogleich den Wunsch verspürt, von diesem Mann mehr zu erfahren. Einige Tage haben wir uns dann für das Interview getroffen. Beim Gang durch die Zimmer hat er seine Überlegungen geteilt und mich, den Laien, in eine neue Welt hineingeführt.

Das war fachlich spannend, besonders berührend war aber, sein Herzensanliegen und seine jugendliche Leidenschaft zu sehen, auch nach so vielen Jahren im Beruf. «Peter, du hast mich damit angesteckt und für meinen eigenen beruflichen Weg sehr motiviert.».

Wie bist du zum Malerberuf gekommen?

Meine Eltern führten schon einen Malerbetrieb, ich bin also damit aufgewachsen. Schon früh wusste ich, dass ich die Firma weiterführen wollte, was dann sogar früher als gedacht Realität wurde. Der Betrieb hatte im Durchschnitt 20 Mitarbeitende. Nach ca. 45 Jahren, davon 37 in der Betriebsführung konnte ich die Firma mit meinem 60igsten Geburtstag an einen Mitarbeitenden verkaufen. Dem Verkauf ging ein längerer Prozess voraus. Mein Ziel war stets, eine gute Lösung für Alle zu finden.

Es ist schön, dennoch meinen Beruf weiterhin auszuüben. Durch den Verkauf der Firma kann ich mich nun ohne die Geschäftsführung im Rücken in aller Ruhe um spezielle Projekte wie dieses hier in Rasa kümmern. Ästhetik und Design waren schon immer die Basis meiner Berufsausübung und können mich bis heute begeistern. Die Geschäftsführung hatte einfach stets dazu gehört.

Die Führung einer Firma über 37 Jahre zeigt viel Können, da ist dir Vieles gelungen. Wie ist es mit der Dekorationsmalerei und die Sanierung historischer Gebäude. War dies schon immer Themen in deinem Schaffen?

Es hat mich über all’ die Jahrzehnte begleitet. Früher war die Hotellerie ein wunderbares Feld dafür. Es folgte Aufträge für das Kloster St.Gallen und auch im 700 Jahre alten Städtchen Werdenberg mit seinem schönen Schloss. Unserer Arbeit führte uns durch die ganze Deutschschweiz. Weil die Gestaltung stets im Vordergrund stand, waren wir keine spezifischen Denkmalpfleger. Obwohl diese immer wieder ein interessanter Teil der Arbeit war. Wichtig zu erwähnen ist aber, dass es nicht nur Dekorationsmalerei an historischen Gebäuden sondern z.B. auch moderne Reliefs3 gibt.

Wie sind nun die konkreten Muster in den Zimmer des Campo Rasa entstanden?

Das Ornament mit den Margriten war schon mal in den Zimmern vorhanden, ich habe sie unter mehreren Farbaufträgen entdeckt. Wahrscheinlich wurde diese Jugendstil- Gestaltung um das Jahr 1900 angebracht. Diese findet man übrigens auch an der Decke im Speisesaal. In den 60er Jahren wurden neue Wände eingezogen, um mehr Zimmer zu gewinnen, weshalb sich die Reliefs nur in einzelnen Zimmern fanden. Ich habe diese Formsprache dann in angemessener Weise in die anderen Zimmer übertragen.

Das Ornament der Glockenblume habe ich selbst gezeichnet. Es ist für den Gast interessanter und spannender, wenn er bei der wiederholten Anreise Neues entdecken kann. Zudem ändern sich die Farben im Zimmer mit dem Sonnenlicht oder der Lichtstimmung draussen stark.

 

Wie bist du in der Casa Fonte nun genau vorgegangen?

Zuerst wollte ich die Gesamtsituation erfassen. «Wo bin ich?», «worum geht es?», «wer belebt diesen Raum?». Diese Gesamtschau ist wichtig. Erst dann kann ins Detail gearbeitet werden. Dieses Vorgehen hat mich das jahrzehntelange Training gelehrt. Und es funktioniert. Der Blick auf die Kosten muss stets präsent sein. Und doch kann auch mit limitiertem Budget etwas Individuelles entstehen.

Beim Zeichnen behalte ich das Raumempfinden im Hinterkopf. Dann beginne ich mit Freihandzeichnungen1 ohne Vorlagen. Daraus entstehen dann Schablonen2.

Die vertikalen Abschlüsse übrigens sind auch selbst entworfen, ein Teil ist schabloniert und der Rest ist freihändig gemalt. Deshalb variieren sie stets ein bisschen. Das Grün ist schabloniert, die roten Ergänzungen wurden freihändig ergänzt.

 

Musstes du bei der Farbwahl etwas Spezielles beachten?

Wir haben fast nur mit mineralischen Pigmenten und mineralischen Bindemitteln gearbeitet. Dies ermöglicht ein Atmen der Wände. Und die Materialien mit echten Pigmenten sind nahe an den früher benutzten Malmitteln in diesem Haus. Die Farben habe ich selber gemischt, diese können so nicht bestellt werden. Darum werden die Restfarben systematisch gekennzeichnet und für spätere Ausbesserungen gehütet. Mineralfarben lassen sich übrigens an einem kühlen Ort bis zu 8 Jahren lagern.

Woher kennst du das Campo Rasa?

Meine Frau Ruth hat das erste Mal davon erzählt, sie war vor mir schon in Rasa. Dann natürlich durch Michel und Rebekka Bieri, welche ich durch Arbeiten während ihrer Prättigauer Hotelzeit kenne. Über diese Beziehung haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach grosse Familien-Wochenenden in Rasa und Moscia verbracht inkl. Kinder und Enkel.

(Danach haben wir uns in den Speisesaal verschoben um dort die Bemalung der Decke anzusehen)

Was sehen wir heute hier im Speisesaal?

Es gibt zwei Bemalungen, die eine aus der Erbauer Zeit um ca. 1760 und die zweite aus den Jahren zwischen 1900 und 1910. Zum Teil waren einzelne Stellen der Reliefs noch zu sehen. Eine Stelle wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt wieder sichtbar gemacht. Eine komplette Wiederherstellung aller Reliefs wäre sehr aufwändig. Wir haben uns daher mit Bieri’s für eine Sanierung entschieden, die Teilbereiche sichtbar macht, ökonomisch vertretbar ist und eine spätere Totalsanierung ermöglicht. Daraus hat sich eine schöne Mischung von den zwei Bemalungen ergeben und eine eindrückliche Raum- Ambiente.

Dein Affinität zu Ästhetik und Design zeigt sich nicht nur an Wänden und Decken, sondern auch noch bei etwas anderem. Erzähl doch kurz davon.

Es geht um die neue Lampe im Eingang der Casa Fonte. Der Wunsch war, das schöne Gewölbe besser zu inszenieren und gutes Licht auf die Buffettische zu bringen. Deshalb habe ich die Leuchte selber designt und gezeichnet. Solche Arbeiten empfinde ich als sehr lustvoll. Lory Lienhard hat das Design übernommen und umgesetzt. Er ist genial. Er hat die Lampe aus alten, schönen Kastanienbrettern, die irgendwo rumlagen, gebaut. Dem Betrachter zeigt sich ein Holzgestell, an der Decke aufgehängt, ohne Elektrodrähte, und trotzdem als Lichtkörper. Auch was Lory im 2. OG mit den Schranktüren in der Nische gemacht hat ist unglaublich. Auf den ersten Blick denkt man, dass diese Türen schon immer da waren. Dabei hat er sie frisch montiert. Es ist so schön zusehen, welche Begabungen aus diesem Menschen herausströmen.

Wenn Leserinnen und Leser dieses Interviews sich für Dekorationsmalerei interessieren, wie kontaktieren sie dich?

Dazu ist ein kleiner Einschub nötig. Dekorationsmalerei wie z.B. Reliefs gibt es nicht nur in der historischen Malerei sondern auch im modernen Kontext. Es gibt einen Spruch, den ich passend finde: «Früher hat man schön gebaut, heute perfekt.» Natürlich wird auch heute Schönes gebaut. Aber oft geht der Perfektionismus zulasten der Individualität. Moderne Dekorationsmalerei3 drückt viel Persönlichkeit aus. Erreichbar bin ich unter 079 634 76 78 oder per ?~[TbnirD*&c`XN-3e%+]#[+dP6UV\T%EpMW=9m'neo. Ich bin in Buchs im St.Galler Rheintal zuhause. Es ist aber kein Problem, wenn jemand aus einem anderen Teil der Schweiz sich bei mir meldet. Wir können dann zusammen absprechen was möglich ist und was nicht.

Peter, vielen Dank für deine Zeit für das Interview.

Anmerkung: In den Arbeiten von Peter Graf im Campo Rasa ist viel ehramtliche Arbeit enthalten.

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